Kurt Eisner: GefängnistagebuchKurt Eisner: Gefängnistagebuch. Ediert, eingeleitet und herausgegeben von Frank Jacob, Cornelia Baddack, Sophia Ebert und Doreen Pöschl, Berlin 2016 (Kurt Eisner-Studien. 1)

Kurt Eisner (1867–1919) war nicht nur erster Ministerpräsident des Freistaates Bayern, er war auch Journalist und Kritiker des Ersten Weltkrieges. Seine Schriften und Reden sowie die Organisation eines Massenstreiks in München im Januar 1918 führten zu seiner Verhaftung. Im Gefängnis, nicht wissend, ob seine Aufzeichnungen jemals Leser finden würden, rechnete er nicht nur mit den Militärs des Landes, sondern auch mit der Sozialdemokratie ab. Dabei zeigt das sogenannte Gefängnistagebuch die Vielschichtigkeit der Person Eisners, der seine Gedanken der Nachwelt übermittelte.
Die Aufzeichnungen werden nun, knapp einhundert Jahre nach den Ereignissen, in einer kritischen Edition erstmals veröffentlicht. Eisners „Tagebuch“ ist ein historischer Beleg dafür, dass es in Deutschland vehemente Stimmen gegen den Krieg und gegen den politischen Burgfrieden gegeben hat. Kurt Eisner sollte deshalb nicht in Vergessenheit geraten, sondern vielmehr als mahnendes Beispiel für einen offenen politischen Diskurs, der auch unangenehme Wahrheiten nennt, dienen.

Das von mir mitedierte und -herausgegebene „Gefängnistagebuch“ ist als Band 1 der Kurt Eisner-Studien im Berliner Metropol Verlag erschienen. Die Transkription der in insgesamt drei kleinen Heften niedergeschriebenen Aufzeichnungen Eisners erfolgte im Sommer 2015 im Bundesarchiv Berlin. Dort lagert der Nachlass Kurt Eisners in insgesamt 85 Akteneinheiten als sogenannter Familiennachlass, der über das Schriftgut  Eisners hinaus auch Schriftgut von seinen Familienangehörigen sowie anderes Schriftgut enthält.

Die Edition der Aufzeichnungen Kurt Eisners während seiner Haftzeit vom 31. Januar bis 14. Oktober 1918 folgt dem Originaltext kritisch. Um den Eindruck des Originals zu erhalten, entsprechen die Absätze und Seitenumbrüche im Buch den Aufzeichnungen Eisners. Auch wurden sämtliche Streichungen und Einfügungen als solche kenntlich gemacht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*