Buchcover Sovietnam: Die UdSSR in AfghanistanÜbersetzung eines Artikels der Osteuropa-Historikerin Elke Beyer aus dem Englischen:
„Competitive coexistence: Soviet town planning and housing projects in Kabul in the 1960s“, The Journal of Architecture 17, No. 3, S. 309-322.

Der Beitrag behandelt sowjetische Stadtplanungs- und Bauprojekte in Afghanistan in den 1960er Jahren, insbesondere den 1964 entworfenen Generalplan für die Entwicklung von Kabul sowie die auf seiner Grundlage realisierten ersten Mikrorayons der Stadt. Auf Basis von zuvor unerforschtem Archivmaterial sowjetischer Bauinstitutionen werden die Umstände und Ergebnisse der Aktivitäten sowjetischer Stadtplaner in Kabul dokumentiert und ihr Mitwirken im Kontext des Systemwettstreits zwischen kommunistischen und kapitalistischen Entwicklungshilfeeinsätzen in Afghanistan betrachtet. Der Beitrag unterstreicht den multipolaren Charakter von Wissenstransfer zwischen ungleichen Interessengruppen und sieht in der umstrittenen Geschichte des Generalplans von 1964 ein Beispiel für die Entstehung eines produktiven und spannungsvollen Verhandlungsraums, in dem übereinstimmende Visionen einer modernen Stadtentwicklung von Experten für urbane Raumgestaltung aus Süd, Ost und West Gestalt und globale Reichweite erlangten. Zwar zeitigte die im Generalplan niedergelegte Vision einer tabula rasa-Rekonstruktion des Kabuler Stadtzentrums nur geringe Auswirkungen. Sein bedeutsamstes Resultat waren die Mikrorayon-Nachbarschaften, die einer Minderheit die alltägliche Erfahrung eines modernen urbanen Lebensstils vermittelten, bevor die städtische Entwicklung Kabuls durch Bürgerkrieg und ausländische Streitmächte brutal unterbrochen wurde.

Die deutschsprachige Version des Beitrags erscheint in Kürze in: Tanja Penter / Esther Meier (Hg.): Sovietnam. Die UdSSR in Afghanistan 1979 – 1989, Stuttgart 2015. Weitere Informationen zum Sammelband finden Sie hier.